Willkommen im Verein

Der Verein für Katholische Arbeiterkolonien in Westfalen steht in einer über 100-jährigen Tradition der Hilfe und Unterstützung für Menschen ohne Wohnung. Dieses Erbe immer wieder neu zu gestalten und zeitgemäße Hilfen gegen Wohnungslosigkeit anzubieten – das ist und bleibt ständige Herausforderung für die Arbeit unseres Vereins. Mehr als 300 Mitarbeitende sehen es als ihre Aufgabe an, Menschen in den Einrichtungen des Vereins Heimat zu ermöglichen, durch ambulante Dienste eine Betreuung in der eigenen Wohnung sicherzustellen oder auch der Wohnungslosigkeit vorzubeugen. In den beiden Pflegeheimen des Vereins werden pflegebedürftige Menschen betreut. Oberstes Ziel aller Bemühungen ist es, den Menschen, um die sich der Verein für Katholische Arbeiterkolonien in Westfalen kümmert, selbstbestimmte Teilhabe am Leben der Gesellschaft zu ermöglichen. Der Aufsichtsrat des Vereins freut sich, dieses Engagement durch seine Arbeit fördern und unterstützen zu können, um so das Wirken des Vereins nachhaltig abzusichern.

Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann, Vorsitzender des Aufsichtsrates

Aufsichtsrat

  • Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann
    Vorsitzender des Aufsichtsrates
  • Dr. Eduard Hüffer
    stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates
  • Diözesancaritasdirektorin Ester van Bebber
  • Hermann-Josef Benning
  • Dr. Ansgar Hörster
  • Norbert Hypki
  • Dr. Georg Lunemann
  • Thomas Tiemann
  • Dr. Jürgen Wigger

Vorstand

  • Beate Jussen

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Historische Aufnahme vom St. Antoniusheim

Geschichte des Vereins

Von der Arbeiterkolonie des 19. Jahrhunderts zu modernen Angeboten der stationären Wohnungslosenhilfe
1888 wurde in Münster, mit Unterstützung des Erzbistums Paderborn und der Bistümer Münster und Osnabrück, der Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen gegründet. Als katholischer Beitrag zur Wanderarmenfürsorge wollte der Verein in seinen Einrichtungen wandernden Arbeits- und Obdachlosen eine Unterkunft und Arbeit bieten. Vergleichbare Einrichtungen der Wanderarmenfürsorge entstanden damals in katholischer und evangelischer Trägerschaft an verschiedenen Orten. Besonders bekannt wurde die von Pastor Friedrich von Bodelschwingh 1882 im ostwestfälischen Wilhelmsdorf begründete Arbeiterkolonie.
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Eine erste Arbeiterkolonie errichtete der Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen 1888 mit Unterstützung der Trappisten in Maria Veen.

Unter Mithilfe von Franziskanerbrüdern folgte 1908 mit dem St. Antoniusheim in Vreden eine weitere Kolonie.

Von 1932-1938 unterhielt der Verein mit dem Gut Welda im Erzbistum Paderborn eine dritte Kolonie.

Aufgesucht wurden die Einrichtungen vor allem von Männern, wenn auch die Aufnahme von obdachlosen Frauen in späteren Jahren nicht ausdrücklich ausgeschlossen wurde. In den Wohnbereichen bestimmten über viele Jahre Schlafsäle das Bild, die nur langsam kleineren Wohneinheiten wichen.

Eine besondere Herausforderung der Wanderarmenfürsorge war die häufig zu beobachtende Alkoholabhängigkeit der aufsuchenden Personen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unterhielt der Verein mit dem Bernardshof und dem Heidehof in Maria Veen, später mit der Heilstätte Hardehausen bei Warburg, eigene „Trinkerheilanstalten“.

Der Aufenthalt in den Kolonien beruhte in den ersten Jahrzehnten auf einer freiwilligen vertraglichen Vereinbarung („Arbeiter-Kontrakt“). Hierin bestand ein wesentlicher und durchaus innovativer Unterschied zum Zwangscharakter traditioneller Arbeitshäuser. Natürlich handelte es sich beim „Arbeiter-Kontrakt“ nicht um einen Arbeitsvertrag im heutigen Sinne. Mit der Unterzeichnung des Kontrakts verpflichteten sich die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht nur zur Erbringung von Arbeitsleistungen gegen Unterkunft, Verpflegung und eine von der Kolonieleitung freiwillig gezahlte Vergütung. Er/sie erkannte vielmehr an, dass sein/ihr tägliches Leben durch die Hausordnung und den Kolonieleiter weitgehend reglementiert wurde. In einer Zeit unzureichender sozialer Sicherungssysteme war dies gleichwohl für viele Menschen bis weit ins 20. Jahrhundert eine Alternative, die sie dem unsicheren Leben auf der Straße vorzogen.

Die Urbarmachung der bislang eher siedlungsfeindlichen Böden (Venn = Moor) und die Landwirtschaft waren eine vorrangige Tätigkeit in den Kolonien, woran ebenfalls der Name „Kolonie“ (lat. colonus = Siedler) erinnert. Bis heute spielt die Landwirtschaft im Leben der Einrichtungen eine herausragende Rolle. Später traten industrielle Fertigungsbetriebe und andere Arbeitsbetriebe hinzu, sodass die Einrichtungen heute über ein vielfältiges Arbeits- und Ausbildungsangebot mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden verfügen.

Beginnend mit der Reformära der 1960er Jahre gerieten die Arbeiterkolonien wie andere traditionelle Anstalten unter beträchtlichen Legitimationsdruck. Im modernen Wohlfahrtsstaat schien das Konzept der Fürsorge wie das des Anstaltwesens überholt. Nicht der/die Fürsorgeempfänger/in, sondern der/die Anspruchsberechtigte wurde zum Leitbild der Sozialarbeit in einer bürgernahen Gesellschaft und die Arbeiterkolonien gerieten wie andere Anstalten mit dem Vorwurf der Hospitalisierung in Verdacht, Unmündigkeit zu fördern. Hinzu trat, dass in der Wohlfahrtsgesellschaft der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit der typische Wohnungslose eben nicht mehr der „nichtsesshafte“ Wanderarme war.

Anders als andere Träger reagierte der Verein für katholische Arbeiterkolonien in Westfalen auf die sozialpädagogische Reformbewegung nicht mit der Auflösung seiner Einrichtungen. Vielmehr bemüht er sich, sie zu modernen Zentren der Wohnungslosenhilfe fortzuentwickeln, in denen differenzierte Hilfeangebote zur Verfügung stehen.

An die Stelle des Wandererarmen oder „Nichtsesshaften“ tritt heute der oder die Wohnungslose, dessen/deren Schwierigkeiten häufig aus vielschichtigen und sehr persönlichen sozialen Problemen rühren. Hier sind differenzierte Antworten gefragt, die mitunter eine große Herausforderung darstellen. Wo es möglich ist, sollen Betroffene ihre Ressourcen für ein sozial befriedigendes Leben außerhalb der Einrichtung nutzen und ausbauen. Wo es aber gewünscht und erforderlich ist, sollen die Einrichtungen auch weiterhin eine selbst bestimmte und selbst verantwortete Heimat und Perspektiven bieten.

Damit dieser Spagat gelingt, bedarf es der Mitarbeit der Betroffenen, aber auch einer modernen Leitungsstruktur, professioneller und qualifizierter Sozialberatung, einer begleitenden und unaufdringlichen Seelsorge, Arbeits- und Ausbildungsleiter/innen mit hoher sozialer Kompetenz, eines einfühlsamen hauswirtschaftlichen und medizinischen Dienstes und vieles mehr.

Schließlich bedarf es auch moderner Wohnkonzepte. Zeitgemäße Einzelzimmer, Wohngruppen, sozialpädagogisch begleitete Trainingsgruppen und „Trockenwohnbereiche“ zählen ebenso hierzu wie nach modernen Gesichtspunkten eingerichtete Altenpflegeheime, die den Einrichtungen angegliedert sind. Als präventives Angebot und als nachgehende Hilfe werden schließlich ambulante Beratungsangebote bereitgehalten.


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